Die Technik

 

Das System der Wasseraufbereitung ist ein zentrales Element der Gärrestaufbereitung unserer Anlage. Als Reststoff aus dem Vergärungsprozess bleibt der sogenannte Gärrest übrig, welcher einen Wasseranteil von ca. 85 % aufweist. Durch verschiedene Verfahren werden die festen Bestandteile (Strohreste, Sand) und die flüssigen Phasen voneinander getrennt (unter anderem Wasser). Mit jeder Prozessstufe wird der Wassergehalt in der flüssigen Phase immer höher.

Nachdem der Feststoffgehalt in der flüssigen Phase mittels üblicher Trenntechnik auf ein Minimum reduziert wurde, folgt die Verdampfungsstufe. In der Verdampfung wird die flüssige Phase teil-destillativ von Salzen, Schwebstoffen und Schwermetallen getrennt. Auch möglicherweise enthaltene Schadstoffe, wie Hormone oder Antibiotika, verbleiben aufgrund des geringeren Dampfdrucks dieser Stoffe in der konzertierten Phase. Dabei kann man sich die Verdampfung so vorstellen, wie die Herstellung von destilliertem Wasser, oder die Herstellung von Salz aus Meerwasser. Der entstehende Wasserdampf ist dabei von allen nicht wasserdampfflüchtigen Substanzen befreit, da diese in dem Konzentrat verbleiben. Der Wasserdampf wird abgekühlt und kondensiert zu Destillat. Dieses Konzentrat ist „das Salz“, welches nach der Verdampfung des Wassers übrigbleibt. Das Konzentrat wird anschließend weiter behandelt. Näheres dazu finden Sie auch in der Antwort zur Frage nach der Belastung mit Keimen etc.

 

Darstellung des Emissionsmanagement der geplanten Trockner (REVIS, 2020)

Die Wasseraufbereitung

Hinter der Verdampfung ist zusätzlich eine biologische Reinigungsstufe sowie eine Feinfiltrationsstufe installiert. Diese Betriebseinheiten gewährleisten eine Feinreinigung des Prozesswassers. Anschließend ist eine Sammlung in einem entsprechend ausgelegten Behälter als Pumpvorlage zur Förderung des gereinigten Prozesswassers in die Sagter Ems vorgesehen. Der Sammelbehälter ist mit einer Belüftungseinrichtung und einer vorgeschalteten Kühlstrecke ausgestattet, um gegebenenfalls das Wasser auf die notwendige Einleittemperatur herunter zu kühlen. Außerdem kann das Wasser, soweit erforderlich, mit Luftsauerstoff angereichert werden, um den gelösten Sauerstoffgehalt im gereinigten Abwasser auf das Niveau der Sagter Ems anzupassen.

Das Pumpwerk selbst ist mit online-Messtechnik zur Kontrolle der Wasserqualität und -quantität ausgerüstet. Auf der Druckseite der Pumpe ist ein Automatikschieber installiert, der den Pumpweg bei Überschreitung der Einleitwerte zur Sagter Ems verschließt und das Wasser bei Bedarf wieder der Aufbereitung zuführt.

Es sind verschiedene Einheiten notwendig, um das Wasser so zu reinigen, dass es den Bedingungen zur Einleitung entspricht. Leider kommt manchmal der Eindruck bzw. das Gerücht auf, dass Prozessströme ohne entsprechende Reinigung eingeleitet werden würden. Bei unseren Anlagen und auch bei anderen inhaltlich ähnlichen Konzepten am Standort c-Port werden ausdrücklich keine Ströme in die Umwelt entlassen, welche diese negativ beeinträchtigen könnten. Gerade Wasser und die Gewässer in unserem Land sind die am höchsten zu schützenden Güter, deren Schutz auch Ziel der am c-Port geplanten Anlage ist.

Die Emissionen

Die geplante Anlage kann nicht mit einer landwirtschaftlichen Biomethananlage verglichen werden. Oftmals sind die Silokammern zur Vorlagerung von nachwachsenden Rohstoffen, wie zum Beispiel Silomais, die möglichen Geruchsquellen bei einer Biomethananlage und auch jene, welche am meisten wahrgenommen werden. Dazu kann es im ungünstigen Fall bei offenen Silagen zu Sporenflug von z.B. Schimmelpilzen kommen (Müller, 1991; LfL, 2014). Für die geplante Anlage am Standort c-Port sind keine Silos oder offenen Lagermieten vorgesehen.

Die Anlieferung von Mist erfolgt mit komplett geschlossenen Lkw-Aufliegern, die flüssigen Wirtschaftsdünger werden ebenfalls in geschlossenen Pumptankwagen transportiert. Die Anlieferung erfolgt nur werktäglich.

Die Entladung von Mist erfolgt in einer geschlossenen Halle. Die Halle ist an einer permanenten Abluftabsaugung angeschlossen, wobei die Abluft durch verschiedene Verfahren sowohl chemisch und biologisch gereinigt wird. Die Abluftanlage ist technisch so aufgebaut, dass im Falle einer Wartung oder eines ungeplanten Ausfalls eine zweite Abluftanlage ausreichend Leistungsreserven vorweist. Jegliche Bewegung von geruchsintensivem Material erfolgt nur in gekapselten Räumen mit entsprechenden Filtersystemen. Dazu wird ein Kran installiert, der die „Fütterung“ der Anlage vollautomatisch übernimmt.

Die flüssigen Wirtschaftsdünger werden in einem luftdichten Vorlagerbehälter gelagert und von dort direkt zur Fütterung der BGAs gepumpt. Die komplette Annahmetechnik ist auf einen geruchsneutralen und emissionsfreien Betrieb ausgelegt, was auch entsprechende Redundanzen beinhaltet.

Alle Grenzwerte, die im Zuge des Bebauungsplans festgelegt worden sind, werden eingehalten.

 

Abluft:

Mit Abluft ist an zwei Stellen zu rechnen. Zum einen im Bereich der Annahme und Lagerung von Wirtschaftsdüngern, zum anderen bei der Trocknung der Gärreste. Im Bereich der Annahme werden zur Behandlung der Abluft unterschiedliche Verfahren angewendet. Die Halle wird mit einem Lüftungssystem ausgestattet, dass nach dem Unterdruckprinzip arbeitet. Die Abluft aus der Halle wird über mehrere Abluftventilatoren in die Abluftreinigungsanlage gedrückt. Die möglicherweise mit Ammoniak, Geruchsstoffen, Reststaub und Keimen kontaminierte Abluft wird durch zwei Reinigungsvorgänge (chemisch & biologisch) in ihrer Schadgaskonzentration reduziert. Die nach der TA-Luft geforderten Grenzwerte werden durch einen ordnungsgemäßen Betrieb und den Einsatz der Abluftreinigungsanlagen in jedem Betriebszustand eingehalten.

Die Anlage wird mit einer zentralen Steuereinheit (SPS) und einem dazugehörigen Computer ausgerüstet. Die Steuerung enthält Auswerteeinrichtungen der Messtechnik und Dokumentationsbausteine, die eine Betriebskontrolle der Anlage sicherstellt und elektronisch überwacht. Zwei Filterwände werden senkrecht aus einzelnen geschweißten Kunststoffblöcken installiert. Über zwei Wandanschlusswinkel wird vermieden, dass es zu senkrechten Spalten zwischen den Füllkörpern kommt und „Rohgas“ ungereinigt entweichen kann.

Durch den speziellen Aufbau der Filterwände und über ein besonderes Befeuchtungssystem wird eine hundertprozentige Wasserbenetzung der Filterwandoberfläche sichergestellt. Die Filterwände haben das Ziel, einen möglichst hohen Wirkungsgrad bezüglich der Feststoff- sowie Ammoniakabscheidung sicherzustellen. Hierdurch kommt es zu einer sehr guten Geruchsstoffabscheidung. Die Abscheidung von Ammoniak und Feststoffen wird durch die Umlenkung des Luftstromes über der abfließenden Wasseroberfläche an diesen Filterwänden sichergestellt.

Für einen hohen Geruchsminderungsgrad ist es sinnvoll, eine biologische Filterwand nachzuschalten. Der Biofilter soll die Restemissionen, insbesondere die Geruchsstoffe eliminieren und durch einen mikrobiologischen Stoffwechsel abbauen. Da hier beim Eintritt in die biologische Schüttung kaum mehr Ammoniak in der Rohluft vorhanden ist, kann eine Anreicherung von Stickstoffverbindungen ausgeschlossen werden.

Diese Systeme stellen sicher, dass insbesondere die als störend empfundenen Ammoniak- und Schwefelwasserstoffgerüche sicher eliminiert werden. Die Mehrstufigkeit des Systems dient der „doppelten“ Absicherung der Abscheidung. Zusätzlich ist die Abluftanlage technisch so aufgebaut, dass im Falle einer Wartung oder eines ungeplanten Ausfalls eine zweite Abluftanlage ausreichend Leistungsreserven vorweist.

Die bei der Gärresttrocknung eingesetzten Trockner werden indirekt mit Heißdampf beheizt und benötigen nur einen geringen Fremdluftanteil. Die Abluft der Scheibenkontakttrockner wird komplett aufgefangen, kondensiert und einer Dampfstrippung zur Staub- und Ammoniaktrennung zugeführt. Die gewählte Trocknungstechnik unterscheidet sich deutlich von den in der Gärrestrocknung üblicherweise eingesetzten Bandtrocknern. Der Vorteil der geplanten Technik liegt in dem geringen Fremdluftbedarf und damit verringerten Emissionen.

 

Feinstaub:

Das ganze System der Anlage ist darauf ausgelegt, Emissionen in die Umwelt auf dem kleinstmöglichen Level zu halten. Um Feinstaubemissionen zu vermeiden, werden alle Betriebseinheiten, in denen Substrate gehandhabt werden, in geschlossenen Hallen untergebracht. Die Hallen sind dabei an ein Staub-, Gaswasch- und Filtersystem angeschlossen. Diese werden zudem über diverse Systeme so ausgelegt, dass auch im Falle einer Störung Emissionen vermieden werden können.

 

Lärm:

Die Lärmemission wird die Grenzwerte für Industriegebiete einhalten und dabei eher unterschreiten. Die genauen Werte werden im Laufe des Genehmigungsverfahrens über Gutachten prognostiziert.

Die Sicherheit

Zur Vermeidung von schwerwiegenden Störfällen und Störungen unterliegt die Anlage wiederkehrenden internen und externen Kontrollen. Weiterhin sind auch bestimmte Wartungen in regelmäßigen Abständen durchzuführen. Diese Termine werden zudem behördlich, ähnlich wie bei der Überprüfung des privaten Pkws, kontrolliert.

Technisch wird möglichen Störungen durch ein permanentes Überwachungssystem entgegengewirkt. Ziel ist es, Störungen am besten zu vermeiden bzw. im Vorfeld zu erkennen und gegen zu wirken.

 

a. Abwasser:
 

Hier ist vermutlich das aufgereinigte Prozesswasser gemeint. Durch eine kontinuierliche Qualitäts- und Quantitätsmessung, sowie eine automatische Schließung der Einleitstelle bei nicht Erfüllung sowie Rückführung in das Speicherbecken vor der Abwasserbehandlung, wird das Einleitwasser kontrolliert und gesteuert. Das Speicherbecken vor der biologischen Abwasserbehandlungsstufe kann das anfallende Einleitwasser ohne Betriebseinschränkungen für ca. 10 Tage abpuffern.

 

b. Undichtigkeiten:

Flüssigkeitsführende Rohrleitungen sind oberirdisch einsichtig geführt, sodass eine Leckage schnell entdeckt werden würde. Die Rohrleitungen werden zusätzlich kontinuierlich Druck und Durchfluss überwacht, sodass eine Undichtigkeit sofort bemerkt werden würde. Regelmäßige Dichtheitsprüfungen sind zudem Teil der Kontrollroutinen.

 

c. Überdruck:

Die Gasrohrleitungen sind auch drucküberwacht und werden mindestens jährlich auf Dichtheit geprüft. Jeder Behälter ist mit einem SIL gerichteten Druckwächter ausgestattet. Erhöhter Druck führt zum Hochfahren der Gasverbraucher und erst dann zum Einschalten der Notgasfackeln. Durch diese Verschaltungskette soll das Auslösen der mechanischen Überdrucksicherung und damit der unkontrollierte Austritt von Biogas verhindert werden.

 

d. Feuer:

Zur Erkennung von Bränden wird die Anlage mit Brandschutzmeldern und Rauchwächtern umfangreich ausgestattet. Generell werden beim Bau entsprechende schwerentflammbare bzw. nicht brennbare Materialien eingesetzt. Bestimmt und geprüft wird dies im Vorwege im Zuge des Genehmigungsverfahrens durch ein extern zu erstellendes Brandschutzgutachten, welches nach Fertigstellung mit der örtlichen Feuerwehr und einem Brandschutzingenieur überprüft wird.

Zur Brandbekämpfung werden mit der örtlichen Feuerwehr regelmäßige Übungen und Schulungen des Personals durchgeführt.

 

e. Stromausfall:

Für den Fall eines Stromausfalls stehen Notstromaggregate zur Verfügung, um ein sicheres Herunterfahren der Anlage zu ermöglichen und den Fackelbetrieb zu gewährleisten. Dadurch wird verhindert, dass es zu einem unkontrollierten Gasverlust kommt.

 

f. menschliches Versagen:

Menschliches Versagen ist nie auszuschließen, zur Vermeidung von gravierenden Auswirkungen wird daher ein hohes Augenmerk auf gut geschultes Personal gelegt. Es werden regelmäßig Personalschulungen durchgeführt. Darüber hinaus hat die revis ein Sicherheitsmanagementsystem erstellt, in welchem besondere Regularien zum Verhalten, zur Betriebsführung und Überprüfung von Handlungen und Messgeräten mit festen Prüfintervallen festgelegt sind. Nicht zuletzt gibt es ein elektronisches Überwachungs-, Erfassungs- und Meldewesen, welches 365 Tage 24/7 besetzt ist.

 

g. Sabotage:

Das Gelände ist eingezäunt, wird videoüberwacht und 24/7 mit Personal besetzt sein.

 

h. Störfall:

Anlagen, wie die von uns geplante, unterliegen der Störfallverordnung. Dadurch sind wir dazu verpflichtet, ein Störfallkonzept zu erstellen und dieses auch mindestens einmal jährlich praktisch, z.B. mit der örtlichen Feuerwehr zu prüfen. Außerdem wird die Konzeption extern von behördlicher Seite regelmäßig überprüft.

Für die Anlage gibt es eine Sicherheitsabschaltkette, die wie eine „Not-Aus“-Betätigung sofort wirkt und die Anlage in den betriebssicheren Zustand überführt. Lediglich die Gasproduktion lässt sich nicht sofort abschalten, weshalb zwei redundante Hochtemperaturfackeln das Gas unverzüglich schadlos verbrennen können. Alle für die Sicherheit relevante Einrichtungen sind über Notstromaggregate abgesichert.

Für die Öffentlichkeit wird ein Informationsportal auf der Internetseite des Betreibers geführt. Für den Fall einer Havarie wird die unmittelbar betroffene Nachbarschaft mit entsprechenden Verhaltensplänen informiert. Ob und wie weit sich eine Havarie jeglicher Art auswirkt, wird im Rahmen des Genehmigungsverfahrens durch externe Gutachter berechnet und entsprechende Handlungsempfehlungen werden erarbeitet.